Pädagogischer-Eltern-Nachmittag

Der Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume

Das können die Kinder des Waldkindergarten Höpfigheim jeden Tag aufs Neue erleben. Am letzten Samstag im März durften im Rahmen des pädagogischen Elternnachmittags einmal die Mamas und Papas den Wald mit allen Sinnen erforschen.
„Wir werden den Wald heute hören, fühlen, sehen, riechen und vielleicht sogar schmecken“, versprach die Erzieherin und gelernte Natur- und Umweltpädagogin Silke Rabe am Bauwagenplatz bevor sich die fast zwei Dutzend Neugierigen zusammen auf den Weg machten.

Am Rindenplatz vorbei ging es zunächst zu Wildschweinsuhle und Dachsbau. „Jetzt kann ich verstehen, warum mein Kind sich davor fürchtet, in einem Dachsbau zu verschwinden“, erklärte eine Mutter beim Anblick der tatsächlich riesigen Erdlöcher, die auch von Fuchs und Kaninchen bewohnt werden. An nächster Station durften die Eltern ausprobieren, wie ein Baumtelefon funktioniert und wie sich ein Eichhörnchen fühlen muss, wenn ein Marder am Baumstamm kratzt. Am „Seele“ ging es dann mit Keschern zur Sache. Neben den bekannten Wasserläufern konnte sogar ein Wasserskorpion gefangen und genau untersucht werden, bevor die Eltern ihn wieder in Freiheit entließen. Am Naturdenkmal, der Winterlinde, wurde nicht nur der Umfang bemessen, sondern auch die Größe der Baumkrone und damit auch in etwa des Wurzelwerks nachgestellt. Warum heißt der „geheime Platz“, eigentlich so? Und welche Tiere, Bakterien und Organismen sind auf rund einem Kubikmeter Waldboden zu Hause? Welche Pflanzen, Gräser und Kräuter wachsen hier und welche Tiere sind wo zu Hause? Der Ausflug in den Wald bot jede Menge Wissenswertes für die Eltern, die an mancher Stelle nicht schlechten staunten. An einem kleinen Tümpel zum Beispiel, in dem nicht nur Froschlaich, sondern auch ein kleiner Molch und Libellen-Larven entdeckt wurden.

Am erstaunlichsten war aber wohl das Birkenwasser-Experiment. Mit einem eigens mitgebrachten Handbohrer wurde der Stamm einer Birke angebohrt, dann ein kleiner Auslauftrichter in das Loch gesteckt. Die Eltern mussten sich nur wenige Sekunden gedulden, bis der Baum seinen Saft hergab und klares Birkenwasser in einen Becher tropfte. Selbstverständlich wurde das Loch nach Ende des Experiments wieder mit Baumwachs verschlossen, zunächst aber durften die Eltern reihum ein Schlückchen vom Birkenwasser probieren und so tatsächlich auch erfahren wie der Wald schmeckt.

Über den moosig-weichen Boden der Höpfigheimer Allee ging es dann wieder zurück zum Bauwagenplatz, wo nun auch die Kinder warteten und gemeinsam gegrillt wurde. Immerhin mehr als drei Stunden lang hatten die Eltern einmal ohne ihre Sprösslinge die Gelegenheit zu sehen, was ihre Kinder sonst tagtäglich erfahren dürfen. Ein toller Waldtag für die Eltern. Und ein ganz großer Dank an das Erzieherinnen-Team, das den pädagogischen Elternnachmittag nicht nur perfekt vorbereitet hatte, sondern den Tag für viele Eltern zum echten Erlebnis hat werden lassen.

Die Eltern auf der Suche nach Froschlaich, Molchen, Libellenlarven, 
Wasserskorpionen und einiges mehr, was sich im Seele und einer riesen Pfütze so tummelt.